Goldman Sachs kann, was auch Sie können sollten
Süddeutsche Zeitung vom 7. April in der Rubrik: Geld
Alexander Dibelius ist Deutschland-Chef von Goldman Sachs und hat etwas, was Josef Ackermann bereits verloren hat. Er glaubt noch an die Selbstheilungskräfte von Märkten. Während Herr Ackermann, wie berichtet, an diesen zweifelt, ist sich Herr Dibelius sicher: „Ich glaube nach wie vor an die Selbstheilungskräfte von Märkten. Doch gerade in der sozialen Marktwirtschaft gehört auch der Staat als einer von mehreren Spielern zum Marktgeschehen.“ (Interview: Süddeutsche Zeitung Nr. 81 Seite 24) Der Staat verdient, wenn es gut läuft und zahlt, wenn es schlecht läuft. Eine klassische Gewinn- und Verlustbeteiligung, währe da nicht die Sache mit den Steuergeldern, die im Interesse der Steuerzahler ausgegeben werden müssten.
Funktioniert die staatliche Beteiligung am Bankensystem, wie sie soll, dann verdienen zum Beispiel Landesbanken an diesen Geschäften. Wie viel wird von diesen Gewinnen durch Steuerentlastungen oder ähnlichem den Bürgern zurückgegeben? Die Situation, in der alle beteiligten Gewinnen erklärt Alexander Dibelius so: „Für jeden Einzelnen war es rational, sich an dem System zu beteiligen. Denn jeder hat daran verdient, solange die Preise stiegen: Die Hauskäufer, die Kreditgeber, die Kreditverpacker, wir als Händler und auch die Abnehmer der verpackten Kredite.“
Nicht erwähnt sind hier die Menschen, die die geplatzten verpackten Kredite später abfangen müssen, wenn Banken sich übernommen haben. In diesem Fall sind es die Steuerzahler. Die Konsequenz argumentativ von der Situation zu trennen, in der sie entstehen, löst das Problem für die Banken. Sie erkennen, dass früher oder später der Markt versagt.
„Wenn wir, wie etwa seit 2001, laufend höhere Renditen erzielen, kann es per Definition nicht sein, dass die Risiken nicht steigen. Und irgendwann schlagen die Risiken einmal zu.“
Dann ist die Hilfe des Staates für Banken eine unbezahlte Versicherungsleistung, die sie in Anspruch nehmen.
Weiter gemacht wird trotzdem, weil es rational ist, zumindest in der Logik der neoliberalen Wirtschaftslogik. Versagt der Markt, muss der ansonsten störende Staat den Banken helfen.
Das eingegangene Risiko zahlen nicht die Hauptprofiteure, sondern diejenigen, deren Konsum die Gewinne erwirtschafteten. DNA erlaubt es seinen Lesern ähnlich widersprüchliche Haltungen einzunehmen, wie sie Alexander Dibelius zu vereinbaren weiß. Er ist sich des Problems bewusst und hält dennoch weiter an seinem Denken fest. Auf der einen Seite ist dieses System bis zu einer unbekannten Stunde Null stabil, auf der anderen, können die eingegangen Risiken von den Entscheidungsträgern praktisch nicht verantwortet werden. DNA gibt mit diesen vorbildlichen Beispielen aus der Leistungselite denjenigen Kraft, die daran Zweifeln, ob beispielsweise Umweltschutz und soziale Sicherheit mit Wirtschaftlichkeit vereinbar ist.
Habt den Mut eure eigenen Lügen zu glauben und höhere Ansprüche zu stellen, als das einfachste, aller möglichen Ziele zu verfolgen: Rendite.
DNA
Schlagworte: Bank, Bankenkrise, Elite, Goldman Sachs, Wirtschaftskrise