Noch vor guter Zeit lauteten Schlagworte für zeitgemäßes liberales Wirtschaften unter anderem etwa wie folgt: „Kostenminimierung“, „Gewinnmaximierung“ oder „Effektivität“. Die Forschungsabteilung des NAIWG macht einen neuen sozio-chrematistischen Trend für Bruder- und Schwesterinstitute transparent: das „Betteln“. Dieses gängige Businessphänomene der Post-Profiteuphorie des 21 Jahrhunderts ist das Schlüssel-Phänomen aktueller wirtschaftlicher Veränderungen.
Was sind die Forschungsprämissen des Neuarroganten Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (NAIWG) in dieser Sache?
Evident ist:
A: Banken betteln nach dem Geld des Staates, respektiv der Steuerzahler.
B: Die Steigende Armut in Deutschland führt zu einer höheren Performance des Social Wellbeeing Business, welches präwissenschaftlich mit der Berufsgruppe der Obdachlosen, Bettler oder Penner verbunden ist.
C: Regierungen betteln um das Vertrauen aller Anleger in den Finanzmarkt und fokussieren dabei vorwiegend den monetär potenten Investor, da nicht-vermögende Menschen nachweislich im Finanzmarkt keine Rolle spielen, obwohl sie von eben diesem im Falle eines Crashs betroffen sind.
D: Die Öffentlichkeit bettelt nach einer Entschleunigung des Finanzkarusells, nach Konsequenzen für die Verantwortlichen und nach mehr Aufmerksamkeit für die Probleme der nicht-leistungstragenden Schichten der Gesellschaft.
E: Unternehmer sehen sich mehr und mehr in der Notlage bei Banken um Kredite betteln zu müssen.
Was ist bereits über „Betteln“ als wirtschaftliche Strategie bekannt?
„Betteln“ ist ein bekanntes und weit verbreitetes Phänomen wirtschaftlicher Aktivitäten und wird dennoch von der Wirtschaftswissenschaft stark vernachlässigt.
„Betteln“ zieht sich seit kurzem durch alle sozialen Schichten und kann verschiedenste Motivationen haben, während traditionell nur arme Menschen diese Strategie nutzten. Das „Betteln“ Mittelloser gilt als Schandfleck in der Öffentlichkeit und wird nur ungern geduldet. Neu ist allerdings das vermehrte „Betteln“ durch wirtschaftlich elitäre Kreise.
Prinzipiell ist „Betteln“ ein reziproker Akt ohne monetäre Gegenleistung. Der Bettelnde erhält vom Bebettelten ohne verbindliche Auflagen, wie etwa einem Vertrag oder Aufbauplan, eine gewisse Summe Geld. Der Bebettelte erhält für seine Gabe keine entsprechende positive Gegengabe, dafür wird der Bettelnde vorwiegend negativ stigmatisiert. Durch das auf diese Weise eingegangen Bettelverhältnis gilt der Bettelnde fortan als:
1. nicht sozial oder wirtschaftlich eigenständig überlebensfähig, störend
2. schmutzig, verkommen, haltungslos und moralisch verfallen
3. parasitär, von der Gunst anderer abhängig und als gescheiterte Existenz
Kurz: unter dem negativ konnotierten Begriff: „betteln“, lassen sich aktuell dich wichtigsten wirtschaftlichen Interessensäußerungen zusammenfassen.
Welche Schlussfolgerungen sind daraus zu ziehen?
Weil „Betteln“ nun auch von Leistungsträgern in Politik und Wirtschaft als geeignete Strategie des Wirtschaftens entdeckt wurde, ergeben sich daraus neue Kompetenzanforderungen an wirtschaftliches Expertentum. Seit Jahrzehnten hat die Wirtschaftstheorie den Obdachlosen in der Fußgängerunterführung missachtet. Heute sind seine Kompetenzen gefragt. Ein Social Charity Provider ist besser als jede andere Figur geeignet das Krisen-, oder besser Bettelmanagement großer Banken zu leiten. In Unternehmen uns als Volksvertreter sind „Bettler“ die Kompetenzträger der Zukunft.
Nachdem das NAIWG wiederholt Pionierarbeit geleistet hat, ist es Zeit, dass sich Wirtschaftsinstitute anderer Tradition mit diesen Phänomenen beschäftigen.
Warum erfährt „Betteln“ einen so großen Zuspruch?
Betteln ist die logische Konsequenz gewinnorientierte Marktwirtschaft. Erbetteltes Geld wurde ohne Investition, ohne Kosten und ohne Verbindlichkeiten erwirtschaftet, es ist also der reine Gewinn. Erbettelt werden muss etwas, den Marktgesetzen zu folge, wenn es die billigste, einzigste oder einfachste Art der Gewinnerwirtschaftung ist. Wer Geld oder Anderes erbettelt, hat nichts als Gegenleistung anzubieten, oder möchte diesen Kostenblock eliminieren. Das gegenwärtige Betteln verschiedener Eliten ist die Folge ihrer Unfähigkeit zur Gegenleistung, was sie in einem von ihnen vertretenen System der Leistung gegen Gegenleistung überflüssig macht. Gebettelt wird, wenn Tausch, Handel und Einkommen durch Arbeit nicht mehr möglich ist.
Die Einschätzung des NAIWG lautet daher:
Betteln als wirtschaftliche Strategie, erwuchs als Ausweichstrategie aus der gegenwärtigen Finanzkrise, weil die „normalen“ Mechanismen der Märkte nicht mehr greifen. Das NAIWG kommt daher zu dem Schluss, dass bei einer Neugestaltung des Finanzsystems das Social-Wellbeing-Business (pdf) integriert werden muss. Zudem muss das soziale Prestige, welches zugegebener Massen negativ ist, gleichmäßig über alle „Bettler“ verteilt werden, als entsprechende Entlohnung.
NAIWG
Schlagwörter: Armut, Banken, Bettler, Finanzkrse, Neoliberalismus, Neue Soziale Marktwirtschaft, Wirtschaft