Wirtschaftliche Erfolge sind eine Sache der Definition. Ein Unternehmen (respektive eine Volkswirtschaft) kann wirtschaftlich überaus erfolgreich sein, wenn es lediglich die Gewinne durch zum Beispiel Raubbau an der Natur steigert und die Kosten beispielsweise durch Lohnkürzungen senkt. Wachstum findet dabei nicht statt.
Wirtschaftswachstum muss zielorientiert und auf Werte bezogen gemessen werden und nicht lediglich als abstrakte monetäre Größe. Wenn sich Unternehmen zu stark von einem Wachstumszwang abhängig machen, und das macht auch der Staat, ist es absehbar, dass reziprokes Wachstum nicht nachhaltig ist.
‘Maschinenstürmerei‘ ist das entgegengesetzte Extrem, weil dabei wirklich Werte zerstört werden, die, wie beispielsweise die Technologie Webstuhl durch effektivere Produktionsverfahren zu mehr Freizeit und damit zu besserer Bildung und mehr Gesundheit führen können. Wenn die Technologie allerdings nur genutzt wird, um mehr zu produzieren, damit mehr verbraucht werden kann, wurde der Wert der Technologie nicht erkannt.
Diese massive ‘Wertvernichtung’ der Finanzkrise ist nur möglich, weil vorher eine künstliche, massive ‘Wertschöpfung’ stattfand, die nötig war, um Gewinnerwartungen zu erfüllen. Dabei wurden allerdings nicht entsprechend ausreichend Werte, wie Technologien, Wissen oder Rohstoffe geschaffen. Deshalb zerplatzt dieses Wirtschaftswachstum, wie eine Blase und deshalb ist es nicht Wachstum zu nennen sondern bestenfalls, Scheinwachstum auf Zeit. Rhetorische Randale (schöne Formulierung von unterben) sind eine sehr wichtige Sache. Gehen wir davon aus, dass das Messen von Wachstum eine Definitionssache ist, ist es wichtig, dass die etablierte Vorstellung von Wachstum als bloße Definition enttarnt wird und das Menschen den Mut aufbringe ihre eigene Definition für genauso richtig zu halten. DNA wartet auf Ihre Definition.
DNA
Schlagworte: Finanzkrise, ifo Institut ifo, Manager, Prof. Sinn, Sinn, Wirtschaft, Wirtschaftskrise, Wirtschaftswachstum
November 1, 2008 um 6:52 |
Wunderbar herumgedreht – in der Tat könnte es auch ein unternehmerisches Ziel sein, eine möglichst gerechte Einkommensverteilung für die ganze Welt zu erreichen. Allerdings haben wir eine ganze Menge „gebundenes Kapital“ – Maschinen, Anlagen, Produktionsstätten (aber auch Bildungseinrichtungen), die eine schnelle „Umverteilung“ einfach zulassen würden und unser Handeln und Denken strukturieren. Dass die Interessen der „ersten Welt“ auf Kosten der Arbeiter_innen und der Natur in zunehmender Weise ausgebaut und dann auch bedient werden, ist nicht „unsere“ Schuld und nicht die der Bänker_innen. Die Referenzrahmen, die „wir“ selbst für gutes und gerechtes Wirtschaften anlegen (von „gutem Leben“ ganz zu scweigen) unterscheiden sich fundamental von dem, was in anderen Erdteilen als solches wahrgenommen wird.
Ich weiß nicht genau, was deine Hoffnung ist – du hast bisher eigentlich nichts weiter gesagt, als das unsere Art des Wirtschaftens (und damit die des Wirtschaftswachstums) kontingent ist. Aber das ist eine uralte Binsenweisheit der Soziologie, im Grunde weiß man das schon seit Max Weber. Wenn du einen normativen Begriff über das Wirtschaftswachstum einbringen willst (in etwa: Dies ist schlechte Wirtschaft und dies wäre gute Wirtschaft), dann musst du auf jeden Fall nicht mehr davon sprechen, das etwas „auf Kosten von Nachhaltigkeit“ geschieht, sondern das etwas auf DEINE Kosten geht. Denn „alle bisherige Geschichte ist die Geschichte von Klassenkämpfen“ (Marx). Aber weil ich nicht wie ein ‘Steinzeitmarxist’ erscheinen will, dazu vielleicht noch diese Erklärung: Du bist als Mensch – gerade in diesem technisiertem und modernen Zeitalter – ein Gattungswesen, das einen allseitigen Reichtum schaffen könnte, wenn die Einrichtung der Gesellschaft dich nicht daran hindern würde. Ich weiß nicht, wer oder was du bist, Deutsche_r, Bänker_in oder Rollstuhlfahrer_in. Aber wenn du Gerechtigkeit – das, was du eventuell gerechtes Wirtschaftswachstum nennen könntest – nicht mehr als solche_r forderst, sondern als jemand, der diesen Reichtum nicht voll verwirklichen kann, weil die Einrichtung der Gesellschaft dem im Wege steht, dann begibst du dich in den Klassenkampf. Alles andere ist unhistorisch, und nichts anderes steht im ganzen Marx. Damit ist in der Forderung nach „mehr Bildung“ oder „mehr Naturschutz“ mehr gesagt, als wenn ich, du oder irgendwer dies bloß als Christen, als Nomad_innen oder als Eltern einfordern würden.
November 1, 2008 um 6:54 |
Wir haben natürlich ‘Anlagen, Produktionsstätten (aber auch Bildungseinrichtungen), die eine schnelle “Umverteilung”’ NICHT SO ‘einfach zulassen würden und unser Handeln und Denken strukturieren’.
‘tschuldigung
November 2, 2008 um 1:42 |
Der Jetztzustand, also die unbestreitbare Tatsache, dass ‘gebundenes Kapital’ (Bildung, Produktionsmittel, Infrastruktur usw.) vorwiegend im euro-amerikanischen Norden der Welt gebunden ist und nicht einfach umverteilt werden kann, ist kein Grund, eine gerechtere Verteilung von Wohlstand als Anspruchs des Wirtschaftens zu haben.
Es stimmt, dass ‘Wohlstand’ in jedem Teil der Erde und eigentlich in jedem Menschenkopf, anders definiert wird. Es ist allerdings nicht vertretbar, wenn ein Wirtschaftssystem einem Großteil der Bevölkerung nicht die Möglichkeit gibt im Sinne, ihre Vorstellung von ‘Wohlstand’ zu wirtschaften.
(Ich denke beispielsweise dabei daran, dass die Bedingungen für die Kreditvergabe von IWF und der Weltbank einzig und allein neoliberales Wirtschaften fördern.)
Es ist für die Wissenschaft natürlich keine neue Erkenntnis, dass unsere Wirtschaftsweise eine, von theoretisch vielen möglichen ist, die sich historisch durchgesetzt hat. Aber wie viele Menschen wissen das, die an dieser Wirtschaft teilnehmen und sich jeden Tag auf Arbeit ihre Miete verdienen? Deswegen versucht DNA zur Zeit diesen Gedanken auf die aktuelle Rezession zu beziehen. Das Verhalten der jetzigen Wirtschaftselite gibt reichlich Anlass ihre Kompetenzen zu hinterfragen.
DNA wird in den nächsten Wochen Beispiele für alternatives Wirtschaften zu nennen, um die Kritik an der jetzigen Wirtschaftsordnung konkreter zu machen, weil trockene Wirtschaftstheorie solange niemandem hilft, bis sie angewendet wird.
Klassenkämpfe liegen DNA fern, auch wenn das unhistorisch sein sollte. ‘Kampf’ bedeutet letztendlich eine endlose Spirale von Schlägen und Gegenschlägen, die solange Opfer und Gewinner hervorbringen, bis eine ‘Klasse’ oder ‘Partei’ vernichtet wird. DNA kann diesem Gedanken nichts abgewinnen. Für Denktraditionen und die Allgegenwart von Marx kann DNA nichts. DNA denkt nicht, dass jedes Handeln gegen das etablierte Wirtschaftssystem in Klassenkämpfen enden muss. DNA geht es um das Schaffen von Möglichkeiten und dazu gehört es, Kritik an der etablierten Wirtschaftsordnung zu üben, um zu erkennen, was sie leisten kann und was sie nicht leisten kann.
DNA