Womit hat die Autoindustrie, besser bekannt als das “Flaggschiff deutscher Ingenieurkunst”, “das Herz der deutschen Wirtschaft” oder das “Musterbeispiel für Erfolgsmanagement” diese Krise verdient? An zu geringen Managergehältern und damit fehlender Motivation in der Chefetage kann es nicht liegen. Auch hat das Auto seinen Reiz als Fetischobjekt, Konsumware und „liebstes Kind der Deutschen“ nicht verloren.
Dennoch bettelt die Autoindustrie um Hilfe, Verständnis, Beistand und Vertrauen. Die gängige Erklärung für die Automobilkrise lautet unzulässig verkürzt wie folgt: wegen der US- Immobilienkrise kam es zu einer weltweiten Finanzkrise, sie sich auf die Realwirtschaft auswirkt. Ursache der Immobilienkrise war eine „Blase“, weil Menschen auf Kredit über ihre Verhältnisse lebten. DNA sieht auch die Krise der Autobranche als das Zerplatzen einer Blase: die Blase des Gigantismuses und der Ingenieurkultur.
Die hochgelobte deutsche Ingenieurkunst hat sich ihre eigentlichen Werte für gutes Geld aus der Hand nehmen lassen. Ingenieur sein bedeutet nicht, in jeder Saison die Modelle noch 20 PS leistungsfähiger zu machen, wenn die PR-Abteilung das wünscht. Ingenieur sein bedeutet nicht, technische Geräte zum Statussymbol zu stilisieren, um sie damit verkaufen zu können.
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Politik und Autoindustrie haben Privatpersonen, den Mittelstand und auch die produzierende Industrie von Benzin, Diesel, Autobahnen, Tankstellen, LKW und PKW abhängig gemacht. Das ermöglichte der Autoindustrie (den führenden Etagen) hohe Profite, die Politik bekam ihre Arbeitsplätze und der Pöbel freute sich auf der Autobahn mit seinem Auto auf Kredit auch mal 200 km/h fahren zu können. Weil alle anderen Verkehrsmittel, wie das Rad in der Stadt oder die Bahn als LKW-Ersatz, vernachlässigt wurden und nachdenken gewöhnlich unpopulär ist, wird diese Krise substantiell. Gratulation. Dabei begründet die Technologie Auto aus Ingenieurperspektive keineswegs eine derartig überdimensionierte Verbreitung.
Autos sind mehr Zierrat für das Ego als ein funktionales Fortbewegungsmittel. Die Nachteile für Umwelt sind bekannt. Außerdem ist das Auto kein sehr sicheres Verkehrsmittel und im Stadtverkehr noch nicht einmal schneller als der oder die Radkurierinn oder FreizeitpedalistIn mit Muskelkraft. Aus marktwirtschalichem Effizenzdenken bleiben die umweltfreundlicheren Alternativen auf der Strecke. Die Autobranche wird von einem herausfordernden Jahr 2009 erwartet und scheint die Herausforderung nicht zu erkennen. Warum Politiker es dennoch „Innovation“ nennen, wenn 1000 kg Metall benötigt werden, um 70 Kilogramm Mensch zu bewegen, bleibt ein Geheimnis ihrer Zunft.
„[I]ch glaube, gerade die Automobilindustrie spielt eine Schlüsselrolle – und damit gleichzeitig den Anpassungsprozess der Automobilbranche erleichtern. Deshalb werden wir befristet bis zum 31. Dezember 2010 eine einjährige Kfz-Steuerbefreiung einführen (…)“ (Angela Merkel am 04.11.2008)
Vor nicht allzu langer Zeit predigten Unternehmen das Wort “gesundschrumpfen.” Gemeint sind Lohnkürzungen und Entlassungen. Dabei wäre das gesundschrumpfen der Anwendung der Technologie Auto hilfreich gewesen, die jetzige Krise der Abhängigkeiten zu vermeiden.
Das Prinzip Minimalismus, also minimaler Verbrauch, minimaler Materialverbrauch, minimale Umweltbelastung, minimaler Verschleiß ergibt maximale Effizients hat die Automobilindustrie erst rhetorisch aufgegriffen, als es denkende Menschen forderten und als Peak-Oil zum ernsten Thema wurde, obwohl genau das Ingenieurkultur bedeutet.
Von der Industrie selbst, ist eine derartige geistige Leistung nicht zu erwarten. Und wieder kapituliert der Kapitalismus vor der eigentlichen Herausforderung, wenn er in einer wirtschaftlichen Krisensituation, in der der Absatz von Autos zurückgeht als einzige “Lösung” die schnellst mögliche Ingangsetzung des Produktions- und Verschleißzyklus es. Dabei widerspricht das jedem ingenieurwissenschaftlichem Denken. Von der Verantwortung der Konzernleitungen wagt DNA aus Rücksicht auf deren monomane Bildung nicht zu sprechen.
Autobauer, die beispielsweise in SUVs einen “Zukunftsmarkt” sehen und gleichzeitig versichern ihrer sozialen, oekologischen Verantwortung nachzukommen absolut schizophren und gehören in psychologische Behandlung für wirtschaftliche Akteure.
Mitleid mit diesen Unternehmen fällt in Krisenzeiten schwer. Das Flaggschiff deutscher Ingenieurkunst hat es versäumt, zu beweisen, warum es eine wichtige Branche sein sollte. Diese Krise ist eine geisteswissenschaftliche Krise, eine Krise der deutschen Ingenieurkunst. Aber das Wachstum der Branche war doch so schön – bis jetzt. DNA hat eine Branche mit ausgezeichneten Wachstumschancen ausfindig gemacht, in der sich alle Ingenieure engagieren können, die ihren Beruf vor allem der guten Gehälter wegen gewählt haben. Hinter dem Tresen stehen bereits andere Vertreter, einer Berufsgruppe, die vergessen hat, wozu sie eigentlich gebraucht werden.
DNA
Schlagworte: Arbeitslose, Auto, Autoindustrie, Automobilkrise, Finanzkrise, Manager, Managergehaelter, Opel, Wirtschaftskrise
November 26, 2008 um 2:44 |
defaellt