Wenn Selbstheilung versagt: Die Deutsche Bank braucht Steuergelder

Auf einer Podiumsdiskussion am 17. März in Frankfurt am Main sprach der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann folgende, mittlerweile viel zitierte Worte: „Ich glaube hier nicht allein an die Selbstheilungskräfte der Märkte“.

Die ‚Selbstheilungskräfte‘ des Finanzmarktes versagen scheinbar in den USA, in England und schließlich auch in Deutschland. Banken verlieren das Vertrauen von Investoren und vielleicht auch bald das ihrer Privatkunden. Steuergelder sind nun gefragt. Sie sollen die Launen der Märkte zähmen.

Zum einen ist es ein Armutszeugnis für die Bankenwelt, wenn diese auf staatliche Hilfe angewiesen ist. Zum anderen bedeuten staatliche Rettungsmaßnahmen von Banken ein Freifahrtschein für risikoreiche Spekulationen, deren Verantwortung keine Bank übernehmen kann.

Für DNA ist es völlig natürlich, dass Herr Ackermann in dieser Situation das Geld der Steuerzahler braucht. Wenn Selbstheilungskräfte versagen, hilft nur das Geld anderer. Das ist doch eine alte Bankenweisheit. Ein DNA-Manager ging den Problemen mit den Selbstheilungskräften nach:

Auf meinem Gymnastikball aus geflochtenem Korb reite ich zu „Dr. Kwahuballa“. Er ist der Schamane und Selbstheilungsspezialist meines Vertrauens. Mit ihm will ich über Selbstheilung sprechen. Seit Tagen quält meinen Geldbeutel eine furchterregende Leere. Dabei kann es nicht daran liege, dass es zu wenig Geld gibt. Gewinne werden weiterhin geschrieben und Konzerne schrumpfen sich gesund, in dem unverantwortlich überbezahltes Personal wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt wird. Langsam beginne ich mir sorgen zu machen. Ich beginne an Politik und Wirtschaft zu zweifeln. Wieso versagen die Selbstheilungskräfte meiner Geldbörse? Schuldbewusst suche ich Hilfe und war Dankbar, als mich Herr Ackermann mit seinen Worten auf den richtigen Weg brachte.

Märkte sind zum Regeln da. Wenn die Märkte Lenken, brauchen die Menschen nicht mehr so viel über ihr Handeln denken. Besonders die lästigen Fragen der Bildung und sozialen Absicherung klären sich viel einfacher, wenn sie von Märkten gemeistert werden.

Aber Herrn Ackermann und mir kam nun eben eine Krankheit dazwischen, die geheilt werden muss. Wir beide vertrauen auf die Selbstheilung. Ich präferiere beispielsweise die mir von „Dr. Kwahuballa“ empfohlenen Energiesteine, die ich unter meinem Bett in eine Schale mit Essig platziere. Seltsamer weise funktioniert das seit einiger Zeit nicht mehr so gut gegen diese wirtschaftlichen Probleme. Eigenes Versagen kann es nicht sein. Diese Märkte sind Schuld. Leider sind die so schwer zur Verantwortung zu ziehen. „Dr. Kwahuballa“ empfahl mir verschiedenen Voodoo Zauber und Heilungstänze. Tanzen hilft in solchen Fällen sowieso sehr gut. Es entspannt Körper und Geist. Mit einer magischen Melodie im Kopf reite ich danach auf meinem Gymnastikball aus geflochtenem Korb zur nächsten Deutschen-Bank-Filiale um pflichtbewusst eine Bargeldspende als Zeichen meines Mitleids zu hinterlassen. Außerdem empfehle ich noch den Angestellten dass, was „Dr. Kwahuballa“ mir auch empfahl. Ich erinnere mich genau an seine Worte: „eure hohen Löhne rauben den Märkten ihre magische Energie zur Selbstheilung, fordert weniger Gehalt, verzichtet auf Gehalt! Mahuta ta huta…“, murmelte er noch, bevor er in Trance einschlief.

Soweit die Recherche unseres Korrespondenten aus dem unteren Teil der Gesellschaft. DNA gibt die Hinweise von „Dr. Kwahuballa“ an Herrn Ackermann und all seine Kollegen, die zur Zeit ganz dringend das Geld derer brauchen, an denen sie sonst verdienen, weiter und wünscht gute Besserung dem Markt und seinen Managern. Eines verwundert DNA allerdings. Der Vater von Herrn Ackermann war Arzt. Sind Finanzmanager nicht die Ärzte der Märkte? Wen pumpt denn ein Arzt an, wenn seine Behandlung nicht anschlägt? Aber zurück zum Thema.

«Ich glaube hier nicht allein an die Selbstheilungskräfte der Märkte», war das Ausgangszitat. Wenn, das der Fall ist Herr Ackermann, dann empfiehlt DNA einfach mehr Glauben. DNA glaubte einst auch, dass Banken wissen, was Sie tun, weil das aber selbstverständlich unmöglich ist, schöpfen neuarrogante Menschen auch unbegründeten Glauben, für ihre Ideale. Die Spezialisten für Glauben sind die Religionen, vielleicht können die Weiterhelfen und das Gewissen und den strapazierten Geist etwas entlasten, wenn plötzlich diese reale Finanzwelt, die aus harten und präzisen Fakten in Tabellen und Graphen besteht ein wenig das menschliche Maß verlässt.

Herr Ackermann promovierte bei dem Geld- und Wachstumskritiker Hans Christoph Binswanger. Dieser wurde unter anderem bekannt mit seinem Buch „Geld und Magie“, in dem er Goethes Faust ökonomisch interpretiert. In seinem Buch „Die Wachstumsspirale“ findet Herr Ackermann bei seinem früheren Lehrer vielleicht Hinweise auf Gründe für das Nachlassen der magischen Selbstheilungskräfte des Marktes. Ansonsten geben wir gegen unverhältnismäßig hohe Honorare auch die Adresse von „Dr. Kwahuballa“ weiter. DNA begrüßt den neuen Spiritualismus am Finanzmarkt und bietet ab sofort überpreiste Sitzungen mit Lava-Lampen zum Thema an.

DNA wünscht frohe Ostern

PS:

I

DNA glaubt auch nicht mehr an seine eigenen Selbstheilungskräfte, auch nicht mehr an die der Banken. Wir fordern daher auch Steuergelder, nur so, als kleine Absicherung.

II

Herr Ackermann hat diese Aussage mittlerweile korrigiert. DNA ist froh, dann ist endlich alles wieder gut. Die Banken heilen sich wieder selber und die wirtschaftlichen Turbolenzen sind ausgestanden.

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Eine Antwort to “Wenn Selbstheilung versagt: Die Deutsche Bank braucht Steuergelder”

  1. Think Tanks - Heute schon gedacht eine eigene Meinung zu haben ? « DirkGrund - über Suboptimales Says:

    […] durch das Bundeswirtschaftsministeriums. Weitere Gelder stammen vom Land Baden Württemberg, der Deutschen Bank und privaten […]

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